Kreativität Teil 5: Mit ‘sematischen Wolken’ originelle Fotothemen entwickeln (inkl. Praxisbeispiel: „Erotik eines Massenprodukts“)

Aufrufe: 151

: Neue Fotoideen durch Merkmalsübertragung

In diesem Teil geht es um die Generierung von interessanten Fotothemen durch Übertragung vorrangig optischer Merkmale in neue Kontexträume. Das hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach.

Die Aufgabenstellung

Angenommen man plant den Besuch eines Museums,  .. sagen wir ein KFZ-Museum und ist vorbereitungstechnisch auf der Suche nach einem interessanten Fotothema, auch wenn man das Thema KFZ nicht als besonders prickelnd empfindet. Glasklar ist, dass man sich auf die Begebenheiten vor Ort einstellen und vorbereiten muss, gerade dann, wenn man möglicherweise nur eingeschränkt agieren kann (Gegenstände verschieben, zurechtrücken, usw.. wird nicht möglich sein). Wie findet man nun interessante, oder ‚andere‘ Interpretationen der Motive die vor Ort zu sehen sein werden?

Schritt 1: Assoziieren

Wenn man vor Ort nichts ändern bzw. modifizieren kann (beispielweise durch das Mitbringen von Requisite usw.), muss man mit dem auskommen, was man vorfindet. Ergo sammelt man zunächst alles auf, was man vorzufinden glaubt. Wir setzen dazu eine Modifikation der bereits bekannten Tabelle ein und sammeln ‚Substantive‘ der Gegenständlichkeit vor Ort; eben von dem, was man so vorfinden wird.
Anmerkung: Die Tabelle wurde um einige Zeilen erweitert und im ‚blauen‘ Bereich wurde die spaltenweise Trennung aufgelöst. Dort findet man nur noch 1 große Zelle. Den Grund dazu wird man schnell erkennen.
Los geht’s: Zählen wir zunächst auf, was wir vor Ort vorzufinden glauben:

Assoziation

Schritt 2: Merkmale sammeln

Damit wir mit den Gegenständen etwas ‚neues‘ anfangen können, ist zwingend notwendig, dass wir uns mit deren Merkmalen auseinandersetzen. Ergo sammeln wir Merkmale und achten explizit darauf, die Besonderheiten vor Ort zu berücksichtigen. In unserem Fall wäre das zum Beispiel die Besonderheit einer Automarke (besonders rund, besonders sportlich, besonders edel, besonderer Zweck, was macht die Marke so exklusiv unter den Renn-Automobilen? ..uvam. ). Dazu betrachten wir erneut die Substantive in den Spalten der Tabelle und schreiben vertikal Merkmale auf, die uns unter Berücksichtigung der Besonderheiten vor Ort (o.ä.) dazu einfallen. Wenn es vor Ort unflexibel zugeht, dann gilt: je mehr Merkmale wir vorher in die Betrachtung mit einbeziehen, umso besser können wir antizipieren und breitbandiger Themen assoziieren. Nach einem kurzen Gedankenspiel kam folgendes bei mir heraus:

Assoziation

Ich war ziemlich einfallslos, wie ich finde. Aber bereits hier entstand eine super Idee, doch die wird jetzt noch nicht verraten; denn jetzt kommt erstmal der ‚Trick‘:

Schritt 3: ‘Semantische Wolken’ aufsteigen lassen

1. versuche spaltenübergreifend!!! verwandte/zusammen-passende Merkmale zu finden
2. gruppiere sie zu ‘semantischen Wolken’
3. puste die Wolken in neue Themen hinein 🙂

Beispiel: Wir gruppieren “rund, groß, klein ..usw.” zu einer Wolke und transportieren sie in das Thema ‚Architektur‘.  Schreibe danach ‚Architektur‘ in das blaue Ergebnisfeld hinein. 

Kleines Kochrezept: Man gebe die Begriffe einer ‘Wolke’ als Suchbegriffe in eine Internetsuchmaschine ein und erhalte durchaus brauchbare Themen, die mit den Begriffen assoziiert wurden.
Assoziationen

Das Thema war schnell klar, weil bereits sehr viele Merkmale in mehreren Spalten ziemlich zwei-..
nein eindeutige Hinweise gaben:  Erotik &
Automobil

Schritt 4: Thema auswählen

Wichtig ist, dass man spaltenübergreifend alle passenden Merkmale mit einbezieht, weil man dadurch die Gegenstände vor Ort (unsere Substantive) mit in die Bildideen einfließen lassen kann und man nicht nur in einer Spalte bzw. einem Gegenstand (Substantiv) hängenbleibt. Alle Begriffe innerhalb der ausgewählten ‘semantischen Wolke‘ liefern nun vollautomatisch konkrete Hinweise auf das, was konkret vor Ort fotografiert werden kann.

Aus der 1 Spalte               : „rund, schöne Formen, ..“  (d.h. die Karosserieformen)
Aus anderen Spalten      : „glatt, weich, sanft, ..“         inkl. den Gegenständen: Reifen/Leder/Chrom

[Optional]: Schritt 5: ‚Tabus‘ einbauen

‚Tabus‘ kann man bekanntlich gut als Kreativwerkzeug einsetzen (siehe Teil 4 dieser Serie). Dies lässt sich selbstverständlich auch hier anwenden. Beispielsweise können wir dadurch unsere Bildidee komplett! von den Begebenheiten vor Ort lösen. Dazu streichen wir einfach die Substantive in den grauen Feldern der Tabelle. In der Fotopraxis bedeutet das: wir achten darauf, dass diese Substantive (=Motive) als solches nicht!!! in den Fotos zu erkennen sind
(ist selbstverständlich jedem selbst überlassen
).

Ich zog mit einem fotografischen Thema los und wurde positiv überrascht, wie gut das funktionierte. Letztendlich war es aber auch absehbar, denn in vielen Spalten der Tabelle fanden sich wiederkehrende bzw. gleiche Merkmale die auf ein und demselben Kontext (=Erotik) hingewiesen haben.

Das Thema, das Ziel

Nach Cafe und Pizzaschnitte ging es mit folgendem Ziel zur Sache: „Erotik, keine Autos im Foto erkennbar, keine Gegenständlichkeit in Bezug zum KFZ im Foto erkennbar, voller Fokus auf erotische Elemente, die aus den Formen/Farben der Gegenstände vor Ort herauszuholen sind. Suche nach Karosserieformen, Reifenformen, Leder und Lack. Versuche Fotos zu machen, die Erotik zeigen, ohne dass man erkennt, dass es sich um Automobile oder Bestandteile davon (egal welcher Marke) handelt, Rundungen können wahrscheinlich gut mit den Spiegelungen in Chromteilen hergestellt werden…“.

Um den Betrachter komplett vom KFZ-Bezug zu entfernen, wurde die Serie:
„Erotik eines Massenproduktes“  genannt, denn das sorgt bei dem ein oder anderen sicher für eine Überraschung 🙂

Hier sind die Bildergebnisse:

previous arrowprevious arrow
next arrownext arrow
previous arrownext arrow
Shadow
Slider

Viel Spaß bei der Suche nach Merkmalen, semantischen Wolken und Tabus ..

Das FotoCafe zu Besuch im Porsche-Museum Stuttgart

Ein Gedanke zu „Kreativität Teil 5: Mit ‘sematischen Wolken’ originelle Fotothemen entwickeln (inkl. Praxisbeispiel: „Erotik eines Massenprodukts“)

  • 4. März 2020 um 18:17
    Permalink

    Hallo Frank,
    und wieder ein wunderbares Beispiel und ein hervorragendes Ergebnis deiner ernsthaften und intensiven Auseinandersetzung mit der Fotografie.
    Beglückt und auch neidvoll verfolge ich deinen Weg.
    Danke auch für die Teilhabe und die damit verbundene Anregung.
    Wir sehen uns.
    Gruß Jürgen

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.