Kreativität Teil 4: ‘Tabus’ einsetzen, um Fotos ein wenig ‘anders’ zu gestalten (Pfade verlassen)

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: Tabus einbauen: Fotos ein wenig interessanter gestalten

 

Eines vorweg: Im fotografischen Umfeld ist das, was wir in dieser Folge beschreiben, nicht einfach zu bewerkstelligen, aber mit ein wenig Übung kann es zu einem guten Hilfswerkzeug für interessantere Fotos werden. Grundsätzlich funktioniert der Trick für alle Vorgehensweisen, die in den Teilen 1+2+3 beschrieben wurden, passt jedoch technisch am besten zum Teil 1 dieser Serie. Der Grund liegt darin, dass wir im Teil 1 Substantive genutzt haben, um Themen bzw. Begriffe zu assoziieren und fotografisch machbare Motive anhand von Substantiven gesucht haben. Probiert es dennoch gern für die anderen Teile aus und sammelt Erfahrungen damit. Auch hier gilt wieder: Das Beschriebene funktioniert nicht immer und in allen Fällen. Die in diesem Teil beschriebene Methode ist zum Beispiel nicht anwendbar, wenn Fotos zu Dokumentationszwecken erstellt werden sollen.

Ein klein wenig ‘den Pfad verlassen’
 

Es geht darum, Fotos ein ‘klein wenig Anders’ und damit vielleicht interessanter zu gestalten, als es ~90% der Fotografen machen würden, wenn sie ein gutes Foto zu einem Thema abliefern müssen. Das ist natürlich schnell so daher gesagt, aber wenn man zu den 10% gehören will, warum nicht? Kostet ja nichts, nur etwas Gehirnschmalz.

Vom Leitthema zur Interpretation (=Fotothema = Teil 1)

Man stelle sich vor, man hätte den Auftrag von der örtlichen Presse, ein Foto zum Thema ‘Paket -/ Transportwesen’ für einen Flyer der Stadt gestalten zu müssen. Buuuumm; und da ist es schon wieder, .. das Problem des Totschlagbegriffes.. ” ……  Äähhh.  Transportwesen ? ”
Uns macht das jetzt gar nichts mehr aus, denn wir haben doch im Teil 1 dieser Serie gesagt: “Assoziieren, assoziieren , assoziiere.., assoziier.., assozii...”.   “Wo war die Tabelle aus dem Teil 1 noch mal ?  Ach ja, die konnte man sich am Seitenanfang ‘downloaden’  “. 🙂
 
Schritt 1: ‘Direktes’ Assoziieren des Leitthemas (=Teil 1)
 Wieder schreiben wir das Leitthema in die obere Zeile hinein (Zwecks Augenkontaktaufnahme). Danach füllen wir die grauen Felder mit Begriffen, die uns als erstes in Bezug auf das Leitthema in den Sinn kommen. Ich trage das Wort ‘Paket-Transportwesen’ ein und ‘Assoziiere’.  Bei mir sah das so aus: 

Assoziationstechnik

Das war nicht besonders geistreich. Es geht genauso weiter wie bereits in Teil 1 beschrieben.
Der nächste Schritt sah danach so aus:

 Und der letzte Schritt :

Spalte 1 erschien mir am besten umsetzbar. Ich wählte daher die ‘Situation am Zulieferfahrzeug’ aus, um zum Thema Paket-/Transportwesen ein Foto zu generieren.
Prima, wir haben nun 3 Begriffe: Paket, Postauto,Ladefläche + Szenerie: Situation am Zulieferfahrzeug.  und ziehen los. 

Gähn …..

Wenn wir nicht weiter darüber nachdenken, ist das soweit ok. Wenn wir Glück haben, machen wir ein gutes Foto und alle sind zufrieden. Am Ende des Tages haben wir dann ein Bild von einem Fahrzeug und einem Paket, das auf der Ladefläche des Fahrzeuges liegt. Schön ?.
–>  Nein! Nicht schön. Denn dieses Foto machen schätzungsweise 90% aller Fotografen. Das ist langweilig, das ist einfallslos und sogar ein wenig naiv, wenn man es als SEIN ‘Foto-Produkt’ verkaufen will. 

Achtung Trick

Dabei ist es doch nur ein kleiner Trick und alles wird ein wenig anders. Nur durch diesen kleinen Trick gesellen wir uns zu den 10% der Fotografen, die es ein klein wenig anders machen. Wenn man genau hinschaut, sieht man auch, dass die Tabellen aus Teil 1+2+3 bereits darauf vorbereitet sind. 🙂

STREICHE DAS WORT IN DER GRAUEN ZELLE UND MACHE ES NICHT!!! ZUM VORDERGRÜNDIGEN HAUPTMOTIV

Daraus ergeben sich 2 Regeln:

Regel 1: Das Motiv/Objekt in der grauen Zelle ist TABU!!! für das Hauptmotiv

Das Objekt/Motiv in der grauen Zelle einer jeden Spalte ist nämlich das, was uns als erstes in den Sinn kommt; und das ist nicht nur bei uns so. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit denken 90% aller Fotografen genau über den gleichen Begriff nach. Wähle lieber das andere Wort/Objekt Deiner Tabelle und schmücke die Szenerie mit ein paar zusätzlichen Dingen aus.
Es gibt noch einen weiteren Punkt zu beachten. Der Betrachter bzw. der Auftraggeber des Fotos will die eigene Meinung zum Thema trotzdem ‘bestätigt’ sehen (Verkäufertrick) und sich ein klein wenig mit dem Bild und! der eigenen Meinung zum Thema identifiziert wissen. Hinzu kommt noch, dass das tabuisierte Hauptmotiv oft einen sicheren Bezug zum Leitthema darstellte, den wir in vielen Anwendungsfällen niemals vernachlässigen dürfen.

Deshalb noch eine weitere Regel:

Regel 2: Baue das Motiv/Objekt in der grauen Zelle, das ja wegen der Tabuisierung als Hauptmotiv nicht mehr in Frage kommt, unscheinbar!! als Begleitmotiv in Dein Foto ein.

Und schon hat man: 
a: eine ‘andere Bildidee’ als 90% der Fotografen
b: den Betrachter (oder Auftraggeber) mit im Boot
c: den Bezug zum Leitthema des Auftrages garantiert sichergestellt

Das bedeutet allerdings etwas mehr Arbeit für uns, denn :

a.) wir müssen die Szenerie etwas ‘ausschmücken’, weil ja ein Motiv/Objekt tabuisiert wurde und als Hauptmotiv ‘ausgefallen’ ist

b.) wir müssen darauf achten, dass der tabuisierte Begriff, zur Sicherstellung des Bezuges zum Leitthema, eventuell noch irgendwo an Rande der Szenerie zu sehen ist

Wir vergleichen nun gedanklich 2 Fotos. Eines ohne, das andere mit ‘Tabuisierung’ :
Foto 1 : ohne Tabubetrachtung:
Foto von einem Fahrzeug und einem Paket, das auf der Ladefläche des Fahrzeuges liegt. Alles scharf und gut erkennbar.

Foto 2 : mit eingebautem Tabu:
Foto von einem Postauto im Hintergrund, auf dessen Laderampe unscharf! aber noch klar erkennbar ein Paket zu erkennen ist, und einem Postbote im Vordergrund!, der uns freundlich beim tippen auf seinem elektronischen Gerät in die Kamera lächelt.

Selbst im Gedankenmodell sieht das schon ganz anders aus, oder?
Welches Foto würdest Du für den Flyer mit dem Thema Paket-/Transportwesen hernehmen?

Wärst Du auf diese Bildidee gekommen? Wenn nein, dann hast Du jetzt ein Werkzeug dazu.

Das wars bereits mit dem Tabu-Trick und jetzt rann an den Speck 🙂

Das FotoCafe wünscht viel Spaß und seid ‘tabuisiert’ …

[Bildbeispiele folgen zu einem späteren Zeitpunkt]

Das FotoCafe

Ein Gedanke zu „Kreativität Teil 4: ‘Tabus’ einsetzen, um Fotos ein wenig ‘anders’ zu gestalten (Pfade verlassen)

  • 3. März 2020 um 10:59
    Permalink

    .. sehr inspirierend .. Danke!

    Viele Grüße

    Thomas

    Antwort

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